Die chinesische Mauer

Ausblick aus dem ersten Turm

Irgendwer hier meinte, wenn man nicht auf der chinesischen Mauer gewesen ist, dann war man nicht in China.

erste kurze Pause

Von Peking aus ist das vielleicht nicht direkt nebenan, aber was ist das schon in China. Man kommt schon noch ganz gut dort hin. Wenn man sich informiert. Mannes Mitbewohnerin ist mit einem Privattaxi direkt von der Wohnung aus dorthin chauffiert worden und wieder zurück. Dafür bezahlt man dann aber auch 1200 元. Wir haben uns verschiedene Blogs durchgelesen und Tipps abgeholt. Wir sind also mit dem Bus erstmal nach Miyun gefahren (15 元) und von dort aus weiter. Das mit dem Bus war schon mal eine Geschichte für sich. Wir hatten mehrfach gelesen, dass wohl die Busfahrer und einige Taxifahrer gemeinsame Sache machen und arglose Touristen einfach viel zu früh aus dem Bus schmeißen, wo dann nur ein einziger Taxifahrer steht (und auch garkeine Haltestelle ist) der dann einen total unverschämten Preis verlangt. Da sollte man aufpassen, dass man auch gemäß Busfahrplan an der wirklich letzten Station aussteigt.

Ausblick über den restaurierten Teil

Als wir dann morgens um halb sieben im Bus saßen, sprach uns schon gleich eine an, die tatsächlich die in mehreren Berichten erwähnte Frau des Taxifahrers sein musste. Und richtig kam nach etwa der Hälfte der Fahrt son Kerl direkt zu uns und meinte, wir wären in Miyun. Alle anderen Mitreisenden waren noch im Bus, also haben wir ihn einfach ignoriert und weitergeschlafen. Laut Internet sollte die Busfahrt etwa 3:40 Stunden dauern. Nach knapp 2:30 Stunden waren wir aber schon da, also waren wir erstmal skeptisch ob sie uns nicht schon wieder verarschen wollen. Aber das Busdepot auf der einen Seite, nur mit Bussen unserer Linie war doch relativ überzeugend. Kaum ausgestiegen wurden wir direkt von den Minibusfahrern überfallen. Erstes Angebot für die einstündige Fahrt hin und auch wieder zurück 600 元. Wir hatten einen ungefähren Richtwert von 50 元 pro Person und Fahrt an die Hand bekommen. Also sind wir durch die Gegend gewandert. Manne fleißig am verhandeln. Zwischendurch ein paar Datteln gekauft und nach schätzungsweise einer halben Stunde hatten wir einen auf nur noch 250 元 komplett hin und zurück für uns beide gehandelt. Das ist vermutlich immernoch viel zu teuer, aber noch ne halbe Stunde dort stehen, war uns auch zu langweilig.

Es gibt richtige Treppen im renovierten Teil

Dann saßen wir also in dem Höllengefährt. Ein Minibus. In China wird es liebevoll „Brotauto“ genannt, weil es aussieht wie ein Brot auf Rädern. Es ist leicht, liegt zu hoch und in einem Unfall wird es vermutlich ähnlich leicht zerdrückt wie eine Coladose. Wir fühlten uns also nicht sonderlich sicher ohne Gurte mit 100 Sachen über eine zweispurige Straße zu rasen, die gerne mal spontan dreispurig wird… in eine Richtung. Das ist echt kein Witz, rechts und links überholen, okay, aber gleichzeitig? Unserem Fahrer waren auch wirklich alle zu langsam. Der hat sogar rücksichtslos in Kurven überholt oder kurz vor der Bergkuppe. Mehrmals musste er scharf bremsen und sich in eine Kolonne reinmogeln, weil ein Laster auf uns zu brauste. Ich hatte echt Panik, aber man muss zugeben, dass der Kerl anscheinend wusste, was er tat. Das einzige Mal, dass er wirklich das Lenkrad rumgerissen hat um auszuweichen, ist direkt vor uns auf der anderen Spur ein Unfall passiert. Wir sind auf jeden Fall heile angekommen und entgegen unserer Erwartung hat der Kerl uns ohne Kaution in Form von Jacken oder Anzahlung abgeliefert.

Die "Treppen" im unrenovierten Teil sind eher einfach nur Steinhaufen

Der Weg zur Mauer hoch war fast das anstrengendste der ganzen Wanderung. Es ging eine ganze Weile auf und ab hoch zur Mauer. Aber durch Wald, wenn man das so nennen kann. Und das war echt schön. So nach dem ganzen Chaos der Stadt im letzten Monat. Morgens war die Sicht noch relativ schlecht, später wurde es dann etwas besser, aber man sieht wirklich auf allen Bildern, dass der Dunst sich nicht komplett verzieht. Berge etwas weiter weg verschwimmen einfach im grau. Der Anfang, sowie das Ende unserer Wanderstrecke auf der Mauer waren nicht renoviert. Das war zwar irgendwie schöner aber auch sehr viel anstrengender dort zu klettern. Wir sind auf dem Mauerabschnitt mit dem schönen Namen Jinshanling gewandert. Im Lonely Planet war das noch ein unrenovierter Abschnitt, der zum renovierten Touristenabschnitt Simatai führt. Simatai ist derzeit gesperrt und Jinshanling inzwischen doch größtenteils renoviert, sodass erwartete Einsamkeit ziemlich ausblieb. Die spaßigsten Leute dort waren eine Gruppe Chinesen, deren Damen der Ansicht waren, für einen Sonntagsausflug auf der Mauer gehören sich Schuhe mit Absatz. Die eine war mit ihren 3 cm hohen Ballerinas noch ok im Vergleich zu den 10 cm Pfennigabsätzen neben ihr. Es gab aber schönerweise nach dem Ausgang noch ein unrenoviertes Stück mit sieben Türmen, dass man begehen durfte. Dort waren wir dann endlich etwas ungestörter, abgesehen von einem Grüppchen Studenten etwas vorraus.

Mittagspause

Hier auf dem Bild kann man übrigens sehen von wo wir losgelaufen sind. Dazu muss man das vermutlich vergrößern. Wenn man von Mannes Kopf aus die Türmchen zählt, dann ist es der dritte, wo wir hochkamen. Der höchste auf dem Bild. Das ist etwas mehr als die Hälfte der Strecke, die wir gelaufen sind.

Manne balanciert über dem Abgrund

Insgesamt sind wir 5 Stunden gelaufen, 32 Türme. Aber welche Strecke das genau war, weiß ich nicht. 10 Kilometer oder mehr. Am Ausgang wartete dann schon unser Fahrer auf uns. Die Rückfahrt war etwas angenehmer als die Hinfahrt, einfach nur weil generell weniger Leute unterwegs waren. Diesmal hat er direkt im ersten Dorf an der Bushaltestelle angehalten und Leute eingepackt, die auch nach Miyun wollten. Er hatte auch überhaupt kein Problem damit uns laut zu verkünden, dass die nur jeweils 10 元 für die Fahrt bezahlen. Die kümmert es wirklich garnicht, wenn man merkt, dass sie einen verarschen. Naja, er hat uns netterweise am Ende noch 10 元 für das Busticket zurück gegeben. 😀

Also ich muss sagen, alles in allem war das echt ein phantastischer Ausflug. Würde ich auch sofort wieder machen.

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Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. Vmaster
    Okt 13, 2011 @ 08:23:47

    Hm, die deutsche Seite wird schneller auf Stand gebracht als die englische.
    Dann les ich ab jetzt hier weiter 😛

    Antwort

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